Es gibt Themen in Organisationen, die seit Monaten auf der Liste stehen. Alle kennen sie, alle wissen dass sie irgendwann angegangen werden müssen. Und trotzdem passiert nichts. Die Lösung fehlt meistens nicht, die Ressourcen fehlen meistens auch nicht. Was sich stattdessen still durchgesetzt hat, ist eine Haltung: irgendjemand anderes wird das schon anstoßen.


Die eRechnung ist gerade das Zugpferd – und das ZUGFeRD – dieses Musters. Seit Januar 2025 im B2B-Bereich Pflicht, bis Ende 2026 vollständig verpflichtend für das Versenden. XRechnung, ZUGFeRD, strukturierte Formate: die technischen Lösungen existieren, sind vielfach bereits in bestehenden Systemen integriert und in den meisten Fällen mit überschaubarem Aufwand umsetzbar.
Trotzdem hört man im Alltag Sätze wie „Wir verschicken doch PDFs." Ernst gemeint. Von jemandem, der glaubt, damit auf der sicheren Seite zu sein.


Was dahinter steckt, ist selten Unwissen. Es ist kollektives Warten. Buchhaltung wartet auf IT, IT wartet auf die Geschäftsführung, die Geschäftsführung wartet auf einen Anstoß von außen – einen Brief vom Steuerberater, eine Mahnung, einen Kunden der plötzlich nur noch strukturierte Formate akzeptiert. Verantwortung verschwindet auf diesem Weg nicht. Sie verteilt sich, bis niemand sie mehr trägt.
Das Finanzamt streicht den Vorsteuerabzug rückwirkend, still, ohne vorher zu fragen wer intern zuständig gewesen wäre.


Das ist kein eRechnungs-Problem. Es ist ein Führungsproblem. Die Technik ist lösbar. Was fehlt, ist jemand der sagt: wir klären das jetzt, diese Woche, ohne auf den nächsten Anstoß von außen zu warten.
Organisationen die auf externen Druck warten um interne Themen anzugehen, haben ein strukturelles Problem das weit über die eRechnung hinausgeht. Die eRechnung ist nur das aktuellste Beispiel für etwas das systematisch passiert: ein Thema das alle kennen, über das alle Bescheid wissen, und das trotzdem wartet. Auf jemanden anderen. Auf später. Auf irgendwann.
Das eigentliche Problem war nie die Technik. Es war das Schweigen davor.


Welches Thema in der eigenen Organisation schon lange wartet, weiß meistens jeder. Die Frage ist nur, wer als erstes anfängt.